Er war im Grunde genommen schon US-Präsident: Bei der Wahl 2000 musste er sich nur knapp George W. Bush geschlagen geben – und doch hat er hinzugewonnen, nämlich an Sympathien – nicht nur bei der amerikanischen Bevölkerung sondern in der ganzen Welt. Uneigennützig setzte er sich für den Kampf gegen den globalen Klimawandel ein, hielt Vorträge und gewann mit seinem Dokumentarfilm „Eine Unbequeme Wahrheit“ (Originaltitel: „An Inconvenient Truth“) den Oscar. Weitere Auszeichnungen und der Friedensnobelpreis folgten. Doch wer ist dieser Mann eigentlich?
Der Geburtsort, Washington D.C., sollte später noch eine wichtige Rolle in
seinem Leben spielen. Am 31. März 1948 wurde Al Gore ebenda geboren. Er stammt aus wohlhabenden Verhältnissen. Sein Vater war zur damaligen Zeit Senator des Bundesstaates Tennessee, weshalb er einen großen Teil der Kindheit dort verbrachte. Nach dem Besuch einer Eliteschule studierte er Politik in Harvard und schloss 1969 mit dem Bachelor of Arts ab. 1970 heiratete Gore seine langjährige Jugendfreundin mit der er bis heute vier Kinder hat. Nach Posten im US-Repräsentantenhaus und Senat ernannte ihn Bill Clinton 1992 während des Präsidentschaftswahlkampfes zu seinem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, welches er dann nach
erfolgreichem Wahlausgang von 1993 bis 2001 bekleidete. Hier wurde schnell klar für was er sich auch nach seiner politischen Karriere einsetzen sollte – Gores Haupthema war die Umweltpolitik, aber auch die Liberalisierung des Internets.

Al Gore bei einer Präsentation über Erderwärmung
Nach Beendigung der zwei Amtsperioden umfassenden Regierungszeit Bill Clintons entschied sich Al Gore bei den nächsten Wahlen um das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Wieder einmal konzentrierte er seinen Fokus auf die Umwelt- und Klimapolitik und sprach vor allem lieberale Kräfte im Land an. Bei den Wahlen gewann Gore mit einem Gesamtstimmenvorspung von 0,5 Prozent. Da das amerikanische Wahlsystem jedoch auf Wahlmänner ausgerichtet ist und ihnen daher die einzelnen Wählerstimmen zugeordnet werden, erreichte der republikanische Gegenkandidat George W. Bush eine knappe Mehrheit. Insbesondere die Ungereimtheiten bei der Stimmenauszählung in Florida ließen die Wahl in einem unrühmlichen Licht
erscheinen. Unterstützer der demokratischen Partei gehen heute davon aus, dass ohne fehlerhafte Wahlcomputer und der Nicht-Berücksichtigung von Afroamerikanern (traditionell demokatische Wähler) auf den Wählerlisten im Bundesstaat Florida Al Gore mit hoher Wahrscheinlichkeit neues Staatsoberhaupt geworden wäre. Er verzichtete in Folge dessen auf weitere Bewerbungen in den Jahren 2004 und 2008.
Doch auch ohne Amt und Würden kämpfte Gore weiterhin gegen den Klimawandel. Ein großes Projekt um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken war die Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“, die auf die Erderwärmung aufmerksam machen und zum schonenden Umgang mit Treibhausgasen hinweisen sollte. Dass dies gelang zeigte die Berücksichtigung bei der größten amerikanischen Fimpreisverleihung
2007: Gleich zwei der begehrten Oscar-Trophäen konnte der Film mit nach Hause nehmen; einen für den besten Dokumentarfilm des vergangenen Jahres und einen weiteren für die beste Titelmusik (Melissa Etheridge „I Need to Wake up“). Kaum ein halbes Jahr später stand dann das nächste globale Gore-Projekt an – ein Konzert gegen den Klimawandel – Live Earth getauft. Ähnlich wie Live8 zwei Jahre zuvor brach die Veranstaltung alle Rekorde. Schätzungsweise 3 Milliarden Menschen saßen am
07. Juli 2007 gebannt vor den Fernsehschirmen oder waren zu den Veranstaltungsorten gereist. Botschaft: Den weltweiten Ausstoß Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 um bis zu 90 Prozent zu senken. Das Konzert wurde ein großer Erfolg weltweit – nicht zuletzt durch namhafte Künstler und das Zugpferd Al Gore.
Erwähnenswert ist noch, dass aus Gores Buch „Wege zum Gleichgewicht“ (1990) eine Initiative erdacht wurde, die den Titel „Global Marshall Plan Initiative“ trägt und zu einer weltweiten Ökosoziale Marktwirtschaft führen will. Hierbei steht nicht allein der Umweltaspekt im Vordergrund sondern auch die Bekämpfung der Armut in Entwicklungsländern und ein neues gerechteres Gesellschaftssystem.



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